Müll in Wentorf: SPD fordert deutlich höhere Bußgelder

Wentorf, 24. Mai. Laut einem Antrag der Grünen soll Werbetreibenden und Parteien im gesamten Gemeindegebiet künftig verboten werden, Plakate aus Kunststoff aufzuhängen – als Beitrag gegen die Bedrohung durch Mikroplastik. „Anstatt neuen Regulierungsaufwand für die Verwaltung zu schaffen, möchten wir lieber vorhandene Instrumente zur Müllvermeidung in der Gemeinde stärken“, sagt Ursula Jonca, SPD-Mitglied im Bürgerausschuss dazu. Mit ihrer Fraktion hat sie einen Antrag zur deutlichen Erhöhung der Geldbußen bei illegaler Abfallentsorgung eingereicht. Die Sitzung findet am Montag (27. Mai) statt

Nach der Forderung der Grünen  sollen in Wentorf Hohlkammerplakate aus Kunststoff verboten werden. Solche Plakate werden im aktuellen SPD- Europawahlkampf eingesetzt. Mit dem Verbot der sogenannten Easyplates könne man laut Grünen-Antrag einen – wenn auch nur kleinen – Beitrag leisten gegen die Bedrohung durch  Mikroplastik zum Beispiel in Meeren. „Der Verdacht liegt nahe, dass es sich bei diesem Antrag um eine reine Wahlkampf-Maßnahme handelt“, kommentiert Ursula Jonca den Antrag. „Abgesehen davon, dass bei der Herstellung von Pappe bekanntermaßen schmutzige Abwässer entstehen – nach dem Regen und Wind der vergangenen Tage sieht man sehr eindrucksvoll, was mit Wahlkampf-Plakaten aus Pappe passiert.“ An mehreren Stellen im Gemeindegebiet waren die Plakate beschädigt oder hatten sich in Richtung Gehweg verabschiedet.

Kippen & Co: SPD beantragt Verdreifachung der Verwarngelder

Im Antrag der SPD, der ebenfalls im Bürgerausschuss am 27. Mai verhandelt wird, fordert die SPD die Erhöhung derbisherigen Verwarngelderum den Faktor 3. Bisher wird in Wentorf für das Wegwerfen von Zigarettenkippen, Dosen oder Einweggeschirr 5 Euro verlangt. Für Zigarettenschachteln oder Verpackungsmüll beträgt der Richtwert 10 Euro. „Wenn man bedenkt, dass eine Zigarettenkippe viele giftige Chemikalien enthält, ist selbst eine Verdreifachung der Verwarngelder noch eher zurückhaltend“, betont Jonca. Laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisationzersetzen sich Zigarettenstummel über viele Jahre in kleinste Plastik-Bestandteile und schädigen damit langfristig Böden und Gewässer. Neben Nikotin enthalten sie außerdem giftige Stoffe wie Arsen, Blei, Chrom, Kupfer, Cadmium, Formaldehyd, Benzol. „Wir haben bei der Müllsammelaktion im Frühjahr gesehen, dass viele Kippen an den Gehwegen und Straßenrändern liegen“, so Jonca.

Wahlwerbung im Ökobilanz-Vergleich

Die im Antrag der Grünen getroffene Aussage, dass Hohlkammerplakate „bei der Produktion wertvolle Rohstoffe” verbrauchen und „sich nach Gebrauch nur mit einem relativ hohen Aufwand recyceln lassen”, bedarf nach Ansicht der SPD einer differenzierten Betrachtung. So bestehen die Plakate aus Polypropylen – einem Werkstoff, der auf Basis von Mineralöl hergestellt wird und unbedenklich entsorgt werden kann, da bei Plakaten keine Weichmacher zugesetzt werden. In der Müllverbrennungsanlage wird Energie üblicherweise in Form von Brennstoff künstlich zugeführt – Abfälle aus Kunststoffen wie Polypropylen übernehmen inzwischen diese Aufgabe. Laut Umweltbundesamt werden auf diese Weise 52,7 Prozent der Kunststoffabfälle energetisch verwertet, ein Großteil aus Polypropylen.

Auch wenn bedruckte Plakate aus Pappe nach Ansicht der Antragssteller als ökologisch sinnvolle Alternative gelten: Das Abwasser aus Papier- und Zellstoffwerken ist meist sehr hoch mit organischen Kohlenstoffverbindungen belastet, erklärt das Umweltbundesamt.

„Keine Verluste zu verzeichnen“

Den im Antrag der Wentorfer Grünen genannten Vorwurf, dass Plakate immer wieder auf wundersame Weise verschwinden und „vermutlich überwiegend als Plastikmüll unkontrolliert in der Umwelt landen“, kann auch SPD-Ortschef Lucas Siemers nicht nachvollziehen. „Wir hatten bisher keine Verluste zu verzeichnen und haben alle Plakate ordnungsgemäß entsorgt.“

Quellen:

WHO zur Schädlichkeit von Zigarettenstummeln (Seite 26f)

Fraunhofer Institut zu Mikroplastik in Böden
Umweltbundesamt zur Papierherstellung 
Umweltbundesamt zu Kunststoff-Recycling
Umweltbundesamt zu Mikroplastik in Gewässern